Getriebegeräusche, oder doch die Hinterachse?

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Lahme Krücke
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Getriebegeräusche, oder doch die Hinterachse?

Beitrag von Lahme Krücke »

Hallo zusammen.
Zum gefühlt 100sten Mal habe ich ja wieder den Motor verbaute und bin gerade abermals dabei diesen auch einzufahren. Der macht jetzt ausnahmsweise mal keinen Ärger, oder seltsame Geräusche - bis jetzt :roll: .

Dafür hebt sich aber das Getriebe geräuschtechnisch plötzlich sehr stark hervor. Dies ist ziemlich überraschend, denn daran hatte ich diesesmal nichts gemacht, weil es lief bisher recht ruhig und ist dicht.
Also lag es bis zum Wiedereinbau die ganze Zeit unbeteiligt auf der Werkbank herum.

Nun im erneuten Betrieb heult es mit zunehmender Geschwindigkeit immer lauter und ab der vierten Fahrstufe kommt auch noch ein ein schrilles Schnarren dazu, was im Schiebebetrieb deutlich zunimmt.
Wenn ich gaanz leicht das Gas anlege, kann man das Geräusch sogar beibehalten. Kupplung treten ändert nicht wirklich viel. Wenn dann der Leerlauf eingelegt wird und der Wagen weiter rollt, dann heult es weiterhin ziemlich laut bis zu ca. 20 km/h runter. Dafür ist das helle Schnarren /Zirpen (?) weg.
Die Getriebeabdeckung habe ich natürlich schon entfernt um besser hören und sehen zu können.

Ich hatte allerdings noch an etwas anderes Hand angelegt:
Die Kardanwelle wurde gerichtet und gewuchtet bei Gelenkwellen Elbe https://www.elbe-gmbh.de/gelenkwellen/oldtimer/ und neue Gelenkscheiben wurden auch verbaut.
Zudem habe ich auch etwas an der Hinterachse gemacht - und ich vermute hier habe ich deutlich Mist gebaut :x

Ich habe den Wellendichtring zum "Kardanwelleneingang" getauscht (Kommt man bei eingebauter Kardanwelle ja nicht so gut dran). Dafür wurde natürlich der Dreiarmflansch demontiert und ich habe dummerweise im Tran ein paar Schrauben vom Lagerkörper gelöst, bis ich überlauert hatte, das ich bloß die mit dem Sicherungsblech lösen muß.
Da habe ich einfach voll gepennt. :x
Also den Lagerkörper wieder festgeschraubt, dann den Gewindering gelöst, Wellendichtring getauscht und alles wieder zusammengebaut.
-
Jetzt habe ich mir das da unten nochmal zu Gemüte geführt und dabei festgestellt, das der gesamte Antriebsstrang ein komisches Spiel hat. Letztlich kommt dieses Spiel aber aus der Hinterachse.

Beispiel:
Handbremse ist angezogen und man dreht kräftig (zb. mit Hilfe eines Maulschlüssel) die Kardanwelle, dann ruckt der ganze Dreiarmflansch in die Hinterachse rein. Dreht man engegengesetzt, dann ruckt er aus. So ca. 5mm würde ich schätzen.
Das rucken ist sicht-, hör- und spürbar. Kann man auch beim Anfahren bemerken, bzw generieren.
Das ist mir so auf jeden Fall neu. Das hatte ich vorher nicht!

Jetzt kann es natürlich sein das sich zufällig zwei Phänomene an meinem Antriebsstrang breitmachen. Sprich ein plötzlich heulendes Getriebe und plötzliches Spiel im Antriebskegelrad....aber das wären mir der Zufälle zuviel...

Folgende Fragen stellen sich mir:

1) Kann man mit dem lösen der Schrauben am Lagerkörper auch das Antriebskegelrad selber lösen, bzw. aus seiner Position bringen? Das wäre natürlich richtig Sch.... :shock:

2) oder könnte ich - warum auch immer - die Nutmutter, welche den Dreiarmflansch am Antriebskegelrad festsetzt, nicht fest genug angesetzt haben und nun hat der Flansch Spiel und bewegt sich lustig bei Last darauf?
Wäre sowas möglich?


Danke und Gruß, Marco
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koch-peter
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Re: Getriebegeräusche, oder doch die Hinterachse?

Beitrag von koch-peter »

stell doch einmal ein Foto ein wo Du dran gedreht hast.
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Lahme Krücke
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Re: Getriebegeräusche, oder doch die Hinterachse?

Beitrag von Lahme Krücke »

Ok, ich habe leider nur ein kleines Beispielbild ohne angeflanschte Kardanwelle mit Gelenkscheibe:

Bild

Also:
Punkt 1:
Ich drehe die Kardanwelle nach links oder rechts ( unter dem Auto, Handbremse angezogen, Kardanwelle und Gelenkscheibe sind angeflanscht. Mit dem Maulschlüssel gehe ich an einen der Bolzen vom Dreiarmflansch um einen Hebel zum drehen zu haben!)

Punkt 2:
Dabei bewegt sich - jeh nach Drehrichtung- der Dreiarmflansch ruckartig nach innen, oder außen.

Ist es so verständlicher?

Gruß, Marco
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GeorgesBuerginCH
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Re: Getriebegeräusche, oder doch die Hinterachse?

Beitrag von GeorgesBuerginCH »

Tschau Marco,
der Dreiarmflansch auf der Kegelradwelle darf sich nicht in der Längsrichtung bewegen,
da ist etwas nicht gut mit dem Drehmomentenschlüssel angezogen.
Anzug der Nutmutter am Gelenkflansch: 16-18 mkg.
Momente sind nicht nur für die Zylinderkopfdichtung wichtig.
Ist die Nutmutter auf der Kegelradwelle nicht richtig angezogen, bewegt sich die Kegelradwelle in Längsrichtung,
das kann schon Geräusche erzeugen, und zum Totalschaden der Hinterachse führen.
Grüsse Georges
.
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Lahme Krücke
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Re: Getriebegeräusche, oder doch die Hinterachse?

Beitrag von Lahme Krücke »

Hallo Georges

Ach, verdammte Axt. Ich habe es geahnt. :x
Aber gut, so wäre das Problem zumindestens recht einfach zu beheben. Da hänge ich mich direkt mal dran.

Ich danke Dir. :oops:

Lieben Gruß, Marco
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Lahme Krücke
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Re: Getriebegeräusche, oder doch die Hinterachse?

Beitrag von Lahme Krücke »

Sooooo, ich habe dann endlich Zeit gefunden mich mal an das Problem zu begeben, aber leider ohne Erfolg.
Ich hatte die Nutmutter auf der Kegelradwelle wohl doch ganz brav mit Drehmoment angezogen. Die war richtig fest.
Jetzt habe ich sie nochmal gelöst und zur Sicherheit nochmal mit Drehmoment angezogen - aber das Ergebnis bleibt sich gleich.

Der montierte Flansch - und jetzt wo alles ab ist auch gut zu sehen - bewegt sich mit der Kegelradwelle um gut drei Millimeter nach innen, oder nach außen. Mit Kraftaufwand wie gesagt, also nicht einfach so.

Öh, wie ist das den möglich? Lager nicht mehr in ihrem Sitz?
Ich muß ehrlich gestehen, ich blicke das nicht recht. :?


Achso: bei der Hinterachse handelt es sich um eine mit Gleason-Antrieb.

Gruß, Marco
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GeorgesBuerginCH
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Re: Getriebegeräusche, oder doch die Hinterachse?

Beitrag von GeorgesBuerginCH »

Tschau Marco,

Wenn auf der Kegelradwelle alles masslich stimmt und festgezogen ist,
dann muss sich das zweireihige Schrägkugellager mit in der Längsrichtung bewegen.

Hast Du ev. zum Entfernung des Simmerringes die Nutmutter zur Fixierung des äusseren Lagerringes gelöst oder ausgebaut,
und diese dann bei der Montage nicht genug fest angezogen?
Diese Nutmutter muss fest sitzen, siehe BAL Gruppe 35, sie ist mit dem Sicherungsblech 136 994 00 07 gegen verdrehen gesichert.

Eine andere Fehlerquelle sehe ich nicht, Grüsse Georges

Siehe auch unter Berichte: 35 Hinterachse Kegelradwelle abdichten
Zuletzt geändert von GeorgesBuerginCH am 5. Sep 2021, 10:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Lahme Krücke
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Re: Getriebegeräusche, oder doch die Hinterachse?

Beitrag von Lahme Krücke »

Hallo Georges.

Japp, das war der Richtige Hinweis. Denn hier lag wohl das Problem.
Wie oben beschrieben, hatte ich den Dichtring getauscht. Der Nutring/Gewindering ließ sich tatsächlich noch weiter in den Lagerkörper eindrehen. Der Ring saß zwar schon recht tief drin aber offensichtlich nicht ausreichend.
Mir erschien das beim ersten mal als fest genug, da das festziehen nur noch mit hohem Kraftaufwand einher ging. Jetzt habe ich mir allerdings ein anderes Werkzeug besorgt und konnte nun mehr Kraft aufbringen und nochmal eine ganze Umdrehung herausschinden. :roll:

Und "Zack", das Spiel ist weg.

Eieiei.
Nun muß ich ehrlicherweise gestehen, das mir vorher nicht bewußt war, das der Nutring/Gewindering auch die Funktion inne hat die Kegelradwelle an ihrem Platz zu halten. :oops:
Das ist mir auch durch das WHB nicht klar geworden.

Den Wellendichtring hatte ich vor ein paar Jahren schonmal ersetzt und danach hatte ich das Problem nicht - das war damals wohl einfach nur Anfängerglück.

Dann hoffe ich mal, das es sich jetzt mit der Geräuschentwicklung erledigt hat und der Antrieb keinen Schaden nahm. Ich bau dann die Tage den Rest wieder zusammen und dann werde ich es ja merken.


Vielen Dank für die Hilfe und Gruß, Marco
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GeorgesBuerginCH
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Re: Getriebegeräusche, oder doch die Hinterachse?

Beitrag von GeorgesBuerginCH »

Tschau Marco,
ev. ist ein Ölwechsel, Ölkontrolle angebracht, ob sich da ev. Abrieb findet.
Magnet ins Öl legen und kontrollieren ob sich da was ausserordentliches sammelt.
Ich werde bei meinem 170S Ölablassschrauben mit kleinen starken Magneten aus dem Handel einbauen.
Die würden auch im Betrieb feinste Stahlteile festhalten.
Grüsse Georges
.
Oelablassschr_Magnet.jpg
Oelablassschr_Magnet.jpg (54.47 KiB) 3471 mal betrachtet
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Lahme Krücke
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Re: Getriebegeräusche, oder doch die Hinterachse?

Beitrag von Lahme Krücke »

Hi Georges.

Ein Ölwechsel im Diff steht jetzt auf jeden Fall an. Am Montag werde ich das wohl in Angriff nehmen.
Ich bin jetzt gut 250 Kilometer gefahren und die Geräusche sind weg. Erstmal bin ich erleichtert, wenn jetzt auch noch im Öl nix zu finden wäre - dann kann ich halbwegs entspannt mit dem Wagen fahren.

Die Ablaßschrauben mit Magnet sind eine richtig gute Sache - und blöderweise habe ich sowas ausgerechnet im 170er nicht verbaut.
So ist das halt: das arme Alltagsmuli bekommt von den feinen Sachen nix ab. :oops:
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