mit dem 170S-D auf Tour
Verfasst: 23. Apr 2026, 10:54
An alle Freunde der schönen Ausfahrten und insbesondere der Dieselfans unter uns.
Nach längerer Restaurationszeit und etlichen Probefahrten in der Region ging es mit dem 170S-D das erste Mal auf größere Reise. Im letzten Jahr hatten wir es noch nicht gewagt, zu viel lag noch im Argen.
In der Familie fand eine Hochzeitsfeier statt und ausgerechnet der Wunsch, diesen Wagen als Hochzeitsauto dabei haben zu wollen, den dieser stammte ja aus der Region. Also durfte das Auto erstmals auf eigener Achse nach über 30 Jahren Standzeit und Restaurierung wieder dorthin zurückkehren, wo es hergekommen war. An den Niederrhein.
Vollgepackt für 16 Tage Urlaub ging es dann los, die Anreise war im Grunde problemlos, der Motor schnurrte und die lange Autobahnfahrt war kein Problem.
Der Motor schien nur etwas durstig zu sein, nicht viel aber ich hatte ein etwas anderes Ergebnis erhofft für einen OM636, der ja als sehr sparsam bekannt ist.
Erste Rechnungen ergaben doch weit aus mehr als 7 Liter auf 100km, bei heutigen Preisen kein Gewinn. Aber es ging ja auch um dieses besondere Diesel Gefühl, den unverwechselbaren Sound und die Entdeckung der Langsamkeit. Durchschnittlich 90 km/h sollte reichen.
Vor Ort angekommen schien alles normal zu sein, Kontrolle des Ölverbrauchs, 2 Liter Ersatz an Bord und die Feststellung , einen halben Liter auf 500 Km gingen schon mal weg, ok der Motor war ja auch nicht vollständig neu aufgebaut worden.
Was auffiel war, das er sich bei Ankunft und großer Begrüßungsrunde, doch im Leerlauf etwas schüttelte, zunächst reichte eine kleine Drehzahlerhöhung.
Am nächsten Tag jedoch wollte die Vorglühanlage nicht mehr funktionieren. Nach kurzer Kontrolle mit der Prüflampe war der Fehler schnell gefunden, die Glühkerze am 1. Zylinder war durchgebrannt, der Draht war buchstäblich weg, das Bogenstück fehlte gänzlich.
Ein Bekannter vor Ort, seines Zeichens Bosch-Mensch meinte sogleich, da tropft eine Düse nach, das ist ein typisches Zeichen. Er besorgte mir Ersatz, ich hatte keine dabei. Künftig werden die immer mit im Gepäck fahren, so mein Fazit. Vielleicht sollte man grad als Dieselfahrer doch einige Teile für den Motor an Bord haben.
So haben wir nach Anreise am Samstag vor Ostern den Polterabend, der dort im Gebäude der freiwilligen Feuerwehr stattfand genießen können.
Wir wollten ja schließlich noch weiterfahren in den Westerwald, leider ging das dann nicht wie geplant an Ostern.
Man sollte mit einem über 70 Jahre alten Wagen vielleicht doch etwas nachsichtiger sein. Die tropfende Düse konnte leider auch nicht geprüft werden, die blieb dann erstmal wo sie war. Sollte man vielleicht auch als Ersatz mit dabei haben.
Der Westerwald war ein echtes Testgelände für Steigungen, die wir daheim in norddeutschen Landen so nicht haben.
Auch die A3 ab Köln Richtung Frankfurt hat ziemliche Steigungen, Drachenfels und Wiedtal hat der Wagen aber gut bewältigt ohne zum Verkehrshindernis zu werden.
Was ich an Steigungen hingegen als störend empfand ist das häufige schalten und hochziehen der Gänge. Ich schalte immer gern rechtzeitig hoch. Da ist schon ein unterschied zum Benziner spürbar, obwohl dieser nur 10PS mehr hat.
Die Thermische Belastung des Motors zeigte sich jedoch zumindest auf der Ebene ziemlich unbeeindruckt, sie blieb ziemlich „kalt“, wenn man 82-85 Grad als kalt bezeichnen darf. An Berg jedoch und grad an den Autobahnsteigungen stieg sie zeitweise auch auf 95 Grad an, sodass ich mich entschied den Thermostat zu wechseln, den hatte ich ausnahmsweise dabei. Eine Schelle ging dabei zu Bruch, offensichtlich ein Qualitätsproblem, Ersatz war schnell zu Hand. Eine weitere Erkenntnis, ein so einfaches günstiges Produkt sollte nicht aus „fernost“ oder sonst woher sein, sonst wird s ärgerlich. Augen auf beim Schellenkauf!
Die Temperatur besserte sich auf der Rückfahrt an den Niederrhein, 100 Km/h kein Problem, bei langem Gefälle sank die Temperatur auf 70Grad ab.
Problem gelöst, der Hochzeit am nächsten Wochenende schien nichts im Wege zu stehen, auch die Düse, die ja immer noch nicht geprüft war, schien weiter kein Ärger zu machen.
Da wir Zeit hatten, besuchten wir mit dem Auto noch die Leute, die uns das Auto vor 3 Jahren verkauft hatten. Es kam aus einem Nachlass zu uns und war auch nicht fertig.
So hatten die Vorbesitzer es noch nicht gesehen, die Freude war groß, wir haben bei einem schönen Essen in gemütlicher Runde einen tollen Nachmittag verbracht. Geschichten wurden erzählt. Der verstorbene Vorbesitzer hat den Kindern immer erklärt: „noch 1Jahr, dann ist der Wagen fertig und wir können damit fahren“ dazu war es nie gekommen.
Beide konnten mit dem Auto fahren und es wurden Fotos gemacht. Die beiden hatten wirklich großen Spaß.
Das Auto wurde im wesentlichen nicht verändert, es war authentisch und unverwechselbar für die beiden wieder zu erkennen. Welch ein schönes Erlebnis. Ein Stück deren Familiengeschichte.
Die Hochzeit war dann üblicherweise an zwei Terminen, erst standesamtlich im Wasserschloss Voerde, mit Begleitung der Feuerwehr und kirchlich im nahegelegenen Walsum, welches zu Duisburg gehört, früher war das wohl auch im Kreis Dinslaken. Ganz in der Nähe, wo das Auto stand. Es gehörte einem ortsbekanten Kartoffelhändler in zweiter Generation.
Deswegen haben wir dieses Auto auf den Namen „Kartoffelbomber“ getauft, denn der Günter war ebenso ein Bastler, da war einiges „gebastelt“ ich denke, das zieht sich bis heute wie ein roter Faden durch das ganze Fahrzeug, obwohl wir mächtig aufgeräumt haben.
So geschah es das auf der Rückfahrt von der Kirche an einer Steigung plötzlich der Motor auf Volllast ging und mächtig gequalmt hat, er ließ sich auch nicht wieder so einfach abstellen. Nicht mit dem Hebel am Armaturenbrett. Ich hielt ihn an mit einem beherzten Griff am Pumpenhebel. So war der Spuk zu Ende. Da auch diesmal die Feuerwehr zu gegen war, war der Ort schnell abgesichert. In voller Einsatzmontur mit Brandschutz-Ausrüstung kam einer der Bekannten dann aus dem Feuerwehrwagen. Ein Feuerlöscher war von einem anderen Menschen sofort gereicht, einen sehr kleinen Löscher, hatte ich so noch nie gesehen. Nichts von dem wurde benötigt. Lediglich der schwarze Fleck auf dem Asphalt zeugte noch von dem Ereignis.
Die Brautleute wurden in ein anderes Auto gesetzt und das Hochzeitsauto wurde zum Hof der Familie abgeschleppt.
Großes Kino, offizieller Einsatz der Feuerwehr und so kommt man auch in einem Bericht der Lokalpresse, wie ich anschließend erfuhr.
Was war passiert? Tags darauf hatte ich den Fehler nach wenigen Minuten gefunden, die Saugleitung für die Steuer Membran der ESP war genau am Ringauge unterhalb des Luftfilters gebrochen.
Der gleiche Mensch, der als Feuerwehrmann in dieser vollen Brandschutzmontur stand hatte die Leitung kurzerhand nach Ausbau mitgenommen und in der Werkstatt der Stadtwerke hartgelötet.
Der Einbau ist etwas knifflig, jedoch gelang es die Leitung so wieder zu verlegen wie sie war, wenn auch gleich 5mm kürzer als vorher. Der Wagen sprang an, als wenn nichts gewesen wär.
So sorgte das ganze auch unter den Hochzeitsgästen doch einigermaßen für Gesprächsstoff und wird wohl immer in Erinnerung bleiben.
Vielleicht hatte die Leitung ja vorher schon einen „Knacks“ und vielleicht erklärt das auch den höheren Verbrauch. Nach der Rückfahrt war der Wagen jedenfalls auf 6,5 Liter auf 100 Km.
Der Kartoffelbomber hat uns sehr gut gefahren uns und allen Menschen eine erlebnisreiche Zeit beschert.
mit besten Grüßen an die Dieselgemeinde
Ralf
Nach längerer Restaurationszeit und etlichen Probefahrten in der Region ging es mit dem 170S-D das erste Mal auf größere Reise. Im letzten Jahr hatten wir es noch nicht gewagt, zu viel lag noch im Argen.
In der Familie fand eine Hochzeitsfeier statt und ausgerechnet der Wunsch, diesen Wagen als Hochzeitsauto dabei haben zu wollen, den dieser stammte ja aus der Region. Also durfte das Auto erstmals auf eigener Achse nach über 30 Jahren Standzeit und Restaurierung wieder dorthin zurückkehren, wo es hergekommen war. An den Niederrhein.
Vollgepackt für 16 Tage Urlaub ging es dann los, die Anreise war im Grunde problemlos, der Motor schnurrte und die lange Autobahnfahrt war kein Problem.
Der Motor schien nur etwas durstig zu sein, nicht viel aber ich hatte ein etwas anderes Ergebnis erhofft für einen OM636, der ja als sehr sparsam bekannt ist.
Erste Rechnungen ergaben doch weit aus mehr als 7 Liter auf 100km, bei heutigen Preisen kein Gewinn. Aber es ging ja auch um dieses besondere Diesel Gefühl, den unverwechselbaren Sound und die Entdeckung der Langsamkeit. Durchschnittlich 90 km/h sollte reichen.
Vor Ort angekommen schien alles normal zu sein, Kontrolle des Ölverbrauchs, 2 Liter Ersatz an Bord und die Feststellung , einen halben Liter auf 500 Km gingen schon mal weg, ok der Motor war ja auch nicht vollständig neu aufgebaut worden.
Was auffiel war, das er sich bei Ankunft und großer Begrüßungsrunde, doch im Leerlauf etwas schüttelte, zunächst reichte eine kleine Drehzahlerhöhung.
Am nächsten Tag jedoch wollte die Vorglühanlage nicht mehr funktionieren. Nach kurzer Kontrolle mit der Prüflampe war der Fehler schnell gefunden, die Glühkerze am 1. Zylinder war durchgebrannt, der Draht war buchstäblich weg, das Bogenstück fehlte gänzlich.
Ein Bekannter vor Ort, seines Zeichens Bosch-Mensch meinte sogleich, da tropft eine Düse nach, das ist ein typisches Zeichen. Er besorgte mir Ersatz, ich hatte keine dabei. Künftig werden die immer mit im Gepäck fahren, so mein Fazit. Vielleicht sollte man grad als Dieselfahrer doch einige Teile für den Motor an Bord haben.
So haben wir nach Anreise am Samstag vor Ostern den Polterabend, der dort im Gebäude der freiwilligen Feuerwehr stattfand genießen können.
Wir wollten ja schließlich noch weiterfahren in den Westerwald, leider ging das dann nicht wie geplant an Ostern.
Man sollte mit einem über 70 Jahre alten Wagen vielleicht doch etwas nachsichtiger sein. Die tropfende Düse konnte leider auch nicht geprüft werden, die blieb dann erstmal wo sie war. Sollte man vielleicht auch als Ersatz mit dabei haben.
Der Westerwald war ein echtes Testgelände für Steigungen, die wir daheim in norddeutschen Landen so nicht haben.
Auch die A3 ab Köln Richtung Frankfurt hat ziemliche Steigungen, Drachenfels und Wiedtal hat der Wagen aber gut bewältigt ohne zum Verkehrshindernis zu werden.
Was ich an Steigungen hingegen als störend empfand ist das häufige schalten und hochziehen der Gänge. Ich schalte immer gern rechtzeitig hoch. Da ist schon ein unterschied zum Benziner spürbar, obwohl dieser nur 10PS mehr hat.
Die Thermische Belastung des Motors zeigte sich jedoch zumindest auf der Ebene ziemlich unbeeindruckt, sie blieb ziemlich „kalt“, wenn man 82-85 Grad als kalt bezeichnen darf. An Berg jedoch und grad an den Autobahnsteigungen stieg sie zeitweise auch auf 95 Grad an, sodass ich mich entschied den Thermostat zu wechseln, den hatte ich ausnahmsweise dabei. Eine Schelle ging dabei zu Bruch, offensichtlich ein Qualitätsproblem, Ersatz war schnell zu Hand. Eine weitere Erkenntnis, ein so einfaches günstiges Produkt sollte nicht aus „fernost“ oder sonst woher sein, sonst wird s ärgerlich. Augen auf beim Schellenkauf!
Die Temperatur besserte sich auf der Rückfahrt an den Niederrhein, 100 Km/h kein Problem, bei langem Gefälle sank die Temperatur auf 70Grad ab.
Problem gelöst, der Hochzeit am nächsten Wochenende schien nichts im Wege zu stehen, auch die Düse, die ja immer noch nicht geprüft war, schien weiter kein Ärger zu machen.
Da wir Zeit hatten, besuchten wir mit dem Auto noch die Leute, die uns das Auto vor 3 Jahren verkauft hatten. Es kam aus einem Nachlass zu uns und war auch nicht fertig.
So hatten die Vorbesitzer es noch nicht gesehen, die Freude war groß, wir haben bei einem schönen Essen in gemütlicher Runde einen tollen Nachmittag verbracht. Geschichten wurden erzählt. Der verstorbene Vorbesitzer hat den Kindern immer erklärt: „noch 1Jahr, dann ist der Wagen fertig und wir können damit fahren“ dazu war es nie gekommen.
Beide konnten mit dem Auto fahren und es wurden Fotos gemacht. Die beiden hatten wirklich großen Spaß.
Das Auto wurde im wesentlichen nicht verändert, es war authentisch und unverwechselbar für die beiden wieder zu erkennen. Welch ein schönes Erlebnis. Ein Stück deren Familiengeschichte.
Die Hochzeit war dann üblicherweise an zwei Terminen, erst standesamtlich im Wasserschloss Voerde, mit Begleitung der Feuerwehr und kirchlich im nahegelegenen Walsum, welches zu Duisburg gehört, früher war das wohl auch im Kreis Dinslaken. Ganz in der Nähe, wo das Auto stand. Es gehörte einem ortsbekanten Kartoffelhändler in zweiter Generation.
Deswegen haben wir dieses Auto auf den Namen „Kartoffelbomber“ getauft, denn der Günter war ebenso ein Bastler, da war einiges „gebastelt“ ich denke, das zieht sich bis heute wie ein roter Faden durch das ganze Fahrzeug, obwohl wir mächtig aufgeräumt haben.
So geschah es das auf der Rückfahrt von der Kirche an einer Steigung plötzlich der Motor auf Volllast ging und mächtig gequalmt hat, er ließ sich auch nicht wieder so einfach abstellen. Nicht mit dem Hebel am Armaturenbrett. Ich hielt ihn an mit einem beherzten Griff am Pumpenhebel. So war der Spuk zu Ende. Da auch diesmal die Feuerwehr zu gegen war, war der Ort schnell abgesichert. In voller Einsatzmontur mit Brandschutz-Ausrüstung kam einer der Bekannten dann aus dem Feuerwehrwagen. Ein Feuerlöscher war von einem anderen Menschen sofort gereicht, einen sehr kleinen Löscher, hatte ich so noch nie gesehen. Nichts von dem wurde benötigt. Lediglich der schwarze Fleck auf dem Asphalt zeugte noch von dem Ereignis.
Die Brautleute wurden in ein anderes Auto gesetzt und das Hochzeitsauto wurde zum Hof der Familie abgeschleppt.
Großes Kino, offizieller Einsatz der Feuerwehr und so kommt man auch in einem Bericht der Lokalpresse, wie ich anschließend erfuhr.
Was war passiert? Tags darauf hatte ich den Fehler nach wenigen Minuten gefunden, die Saugleitung für die Steuer Membran der ESP war genau am Ringauge unterhalb des Luftfilters gebrochen.
Der gleiche Mensch, der als Feuerwehrmann in dieser vollen Brandschutzmontur stand hatte die Leitung kurzerhand nach Ausbau mitgenommen und in der Werkstatt der Stadtwerke hartgelötet.
Der Einbau ist etwas knifflig, jedoch gelang es die Leitung so wieder zu verlegen wie sie war, wenn auch gleich 5mm kürzer als vorher. Der Wagen sprang an, als wenn nichts gewesen wär.
So sorgte das ganze auch unter den Hochzeitsgästen doch einigermaßen für Gesprächsstoff und wird wohl immer in Erinnerung bleiben.
Vielleicht hatte die Leitung ja vorher schon einen „Knacks“ und vielleicht erklärt das auch den höheren Verbrauch. Nach der Rückfahrt war der Wagen jedenfalls auf 6,5 Liter auf 100 Km.
Der Kartoffelbomber hat uns sehr gut gefahren uns und allen Menschen eine erlebnisreiche Zeit beschert.
mit besten Grüßen an die Dieselgemeinde
Ralf